Ozempic vs. Mounjaro: Welches Medikament ist besser?
Inhaltsverzeichnis
- Was sind Ozempic und Mounjaro?
- Wirkstoff und Wirkungsweise im Vergleich
- Die wichtigsten Unterschiede auf einen Blick
- Wirksamkeit: Gewichtsverlust im Vergleich
- Wirksamkeit: Blutzuckerkontrolle
- Nebenwirkungen im Vergleich
- Dosierung und Anwendung
- Kosten im Vergleich
- Zulassung und Verfügbarkeit in Deutschland
- Ozempic, Mounjaro und Alternativen bei apotheke365.de
- Welches Medikament passt zu Ihnen?
- Wann sollten Sie einen Arzt aufsuchen?
- Häufige Fragen (FAQ)
- Quellen
Ozempic (Semaglutid) und Mounjaro (Tirzepatid) sind beide wöchentliche GLP-1-Spritzen zur Behandlung von Typ-2-Diabetes. Mounjaro erreicht in Studien bis zu 22,5 % Gewichtsverlust, Ozempic etwa 14,9 %. Dieser Leitfaden vergleicht Wirkmechanismus, Nebenwirkungen und Kosten: Ozempic ab 185 EUR, Mounjaro ab 310 EUR bei apotheke365.de.
Das Wichtigste in Kürze
- Ozempic (Semaglutid) wirkt als reiner GLP-1-Rezeptoragonist, während Mounjaro (Tirzepatid) zusätzlich den GIP-Rezeptor aktiviert.
- In klinischen Studien erreichten Patienten unter Tirzepatid (15 mg) eine durchschnittliche Gewichtsabnahme von bis zu 22,5 % des Körpergewichts; unter Semaglutid (2,4 mg) lag der Wert bei etwa 14,9 %.
- Beide Medikamente werden einmal wöchentlich als subkutane Injektion verabreicht und sind in Deutschland verschreibungspflichtig.
- Die Kosten für Mounjaro liegen deutlich höher als für Ozempic, was bei der Therapiewahl berücksichtigt werden sollte.
Was sind Ozempic und Mounjaro?
Ozempic und Mounjaro gehören zu einer Klasse von Medikamenten, die auf Inkretinhormone abzielen. Beide werden als Fertigpen einmal wöchentlich subkutan injiziert und sind in Deutschland ausschließlich auf Rezept erhältlich.
Ozempic enthält den Wirkstoff Semaglutid und wurde 2018 von der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) zur Behandlung von Typ-2-Diabetes mellitus zugelassen. Der Hersteller ist Novo Nordisk. Ozempic verbessert die Blutzuckerkontrolle und führt gleichzeitig zu einer spürbaren Gewichtsreduktion.
Mounjaro enthält den Wirkstoff Tirzepatid und wurde von Eli Lilly entwickelt. Die EMA-Zulassung für Typ-2-Diabetes erfolgte 2022. Anders als Ozempic wirkt Mounjaro auf zwei Rezeptoren gleichzeitig.
Wirkstoff und Wirkungsweise im Vergleich
Ozempic: GLP-1-Rezeptoragonist
Semaglutid ahmt das körpereigene Darmhormon GLP-1 (Glucagon-like Peptide-1) nach. Es stimuliert die Insulinausschüttung aus der Bauchspeicheldrüse (glukoseabhängig), hemmt die Glucagonausschüttung und verlangsamt die Magenentleerung. Das führt zu einem längeren Sättigungsgefühl und niedrigeren Blutzuckerwerten.
Mounjaro: Dualer GIP/GLP-1-Rezeptoragonist
Tirzepatid aktiviert neben dem GLP-1-Rezeptor zusätzlich den GIP-Rezeptor (glukoseabhängiges insulinotropes Polypeptid). Die gleichzeitige Aktivierung beider Rezeptoren führt zu einer verstärkten, glukoseabhängigen Insulinsekretion, einer verbesserten Fettverbrennung und einer zusätzlichen Reduktion des Appetits. Diese duale Wirkung erklärt, warum Tirzepatid in klinischen Studien eine stärkere Gewichtsabnahme erzielte als reine GLP-1-Agonisten.
Die wichtigsten Unterschiede auf einen Blick
| Merkmal | Ozempic (Semaglutid) | Mounjaro (Tirzepatid) |
|---|---|---|
| Wirkstoffklasse | GLP-1-Rezeptoragonist | Dualer GIP/GLP-1-Rezeptoragonist |
| Hersteller | Novo Nordisk | Eli Lilly |
| EMA-Zulassung | 2018 | 2022 |
| Dosisstufen | 0,25 / 0,5 / 1 / 2 mg | 2,5 / 5 / 7,5 / 10 / 12,5 / 15 mg |
| Max. Gewichtsverlust | ca. 14,9 % (STEP 1) | ca. 22,5 % (SURMOUNT-1) |
| HbA1c-Senkung | bis zu 1,8 Prozentpunkte | bis zu 2,3 Prozentpunkte |
| Preis (ab) | 185 EUR | 310 EUR |
Wirksamkeit: Gewichtsverlust im Vergleich
Die Gewichtsreduktion ist für viele Patienten ein zentrales Kriterium bei der Wahl zwischen Ozempic und Mounjaro. Da es bislang keine große, direkte Vergleichsstudie (Head-to-Head-Trial) in zugelassener Dosierung gibt, stammen die folgenden Daten aus separaten Studien.
SURMOUNT-1 (Tirzepatid, 72 Wochen)
- Tirzepatid 5 mg: −15,0 % Körpergewicht
- Tirzepatid 10 mg: −19,5 %
- Tirzepatid 15 mg: −22,5 %
- Placebo: −3,1 %
STEP 1 (Semaglutid 2,4 mg, 68 Wochen)
- Semaglutid 2,4 mg: −14,9 % Körpergewicht
- Placebo: −2,4 %
Wichtig: Vergleiche zwischen diesen Ergebnissen sind als indirekt zu werten, weil sich die Studienpopulationen, Begleittherapien und Zeiträume unterscheiden.
Ergebnisse bei Patienten mit Typ-2-Diabetes
Bei Patienten mit Typ-2-Diabetes fällt die Gewichtsabnahme geringer aus als bei Nicht-Diabetikern. In der SURPASS-Studienreihe erzielten Patienten unter Tirzepatid 15 mg eine Gewichtsabnahme von durchschnittlich 11–13 kg über 40–52 Wochen. Unter Semaglutid 1 mg wurde eine Reduktion von etwa 5–7 kg beobachtet.
Real-World-Daten
Eine Kohortenstudie (Rodriguez et al., 2024, JAMA Internal Medicine) verglich Tirzepatid und Semaglutid anhand von Versicherungsdaten. Die Ergebnisse zeigten, dass Patienten unter Tirzepatid nach 12 Monaten im Durchschnitt einen signifikant höheren prozentualen Gewichtsverlust erzielten als unter Semaglutid.
Wirksamkeit: Blutzuckerkontrolle
Beide Medikamente senken den HbA1c-Wert bei Patienten mit Typ-2-Diabetes wirksam.
SURPASS-2 (Frías et al., 2021, NEJM)
Diese Studie verglich Tirzepatid direkt mit Semaglutid 1 mg bei Patienten mit Typ-2-Diabetes über 40 Wochen. Es ist eine der wenigen Head-to-Head-Studien und daher besonders aussagekräftig:
- Tirzepatid 5 mg: HbA1c-Senkung um 2,01 Prozentpunkte
- Tirzepatid 10 mg: HbA1c-Senkung um 2,24 Prozentpunkte
- Tirzepatid 15 mg: HbA1c-Senkung um 2,30 Prozentpunkte
- Semaglutid 1 mg: HbA1c-Senkung um 1,86 Prozentpunkte
Alle drei Tirzepatid-Dosen waren Semaglutid 1 mg bei der HbA1c-Senkung statistisch überlegen. Für Patienten, die ihre Blutzuckerwerte mit Metformin allein nicht ausreichend kontrollieren können, stellen beide Medikamente eine wirksame Ergänzung dar.
Nebenwirkungen im Vergleich
Das Nebenwirkungsprofil beider Medikamente ist ähnlich, da beide auf das Inkretinsystem wirken. Die Häufigkeitsangaben richten sich nach der EMA-Klassifikation.
Sehr häufig (≥ 1/10)
- Übelkeit
- Durchfall
- Erbrechen (besonders unter Mounjaro)
Häufig (≥ 1/100 bis < 1/10)
- Verstopfung, Bauchschmerzen, Dyspepsie, Blähungen
- Appetitminderung, Kopfschmerzen, Müdigkeit
- Reaktionen an der Injektionsstelle
- Ozempic zusätzlich: Schwindel, erhöhte Herzfrequenz, Cholelithiasis
- Mounjaro zusätzlich: Haarausfall (in Studien berichtet), Sodbrennen
Gelegentlich (≥ 1/1.000 bis < 1/100)
- Verzögerte Magenentleerung
- Hypoglykämie (mit Sulfonylharnstoffen oder Insulin)
- Akute Gallenblasenerkrankungen
Selten (≥ 1/10.000 bis < 1/1.000)
- Pankreatitis – für beide als selten klassifiziert
- Anaphylaktische Reaktionen
Kontraindikationen (beide Medikamente)
- Schwangerschaft und Stillzeit: Mindestens zwei Monate vor geplanter Schwangerschaft absetzen
- Medulläres Schilddrüsenkarzinom (MTC) oder MEN-2
- Akute oder rezidivierende Pankreatitis in der Vorgeschichte
Dosierung und Anwendung
Beide Medikamente werden einmal wöchentlich am gleichen Wochentag subkutan injiziert (Bauch, Oberschenkel oder Oberarm).
Ozempic-Dosierschema
| Phase | Dosis | Dauer |
|---|---|---|
| Einleitungsdosis | 0,25 mg | 4 Wochen |
| Stufe 2 | 0,5 mg | mind. 4 Wochen |
| Stufe 3 | 1 mg | mind. 4 Wochen |
| Maximaldosis | 2 mg | Dauertherapie |
Mounjaro-Dosierschema
| Phase | Dosis | Dauer |
|---|---|---|
| Einleitungsdosis | 2,5 mg | 4 Wochen |
| Steigerung 1 | 5 mg | mind. 4 Wochen |
| Steigerung 2 | 7,5 mg | mind. 4 Wochen |
| Steigerung 3 | 10 mg | mind. 4 Wochen |
| Steigerung 4 | 12,5 mg | mind. 4 Wochen |
| Maximaldosis | 15 mg | Dauertherapie |
Kosten im Vergleich
Da weder Ozempic noch Mounjaro in Deutschland von den gesetzlichen Krankenkassen zur reinen Gewichtsreduktion erstattet werden, tragen viele Patienten die Kosten selbst. Alle Preise zuzüglich 20 EUR Verschreibungsgebühr.
Ozempic-Preise
| Dosierung | Preis pro Pen |
|---|---|
| 0,25 mg | 185 EUR |
| 0,5 mg | 195 EUR |
| 1 mg | 215 EUR |
| 2 mg | 275 EUR |
Mounjaro-Preise
| Dosierung | Preis pro Pen |
|---|---|
| 2,5 mg | 310 EUR |
| 5 mg | 375 EUR |
| 7,5 mg | 455 EUR |
| 10 mg | 475 EUR |
| 12,5 mg | 570 EUR |
| 15 mg | 625 EUR |
Mounjaro ist in jeder Dosisstufe teurer als Ozempic. In der maximalen Dosierung zahlen Patienten für Mounjaro (15 mg) 645 EUR monatlich (inkl. Verschreibungsgebühr), gegenüber 295 EUR für Ozempic (2 mg). Über ein Jahr summiert sich die Differenz auf über 4.000 EUR.
Zulassung und Verfügbarkeit in Deutschland
Ozempic
Ozempic ist in der EU seit Februar 2018 zugelassen und in Deutschland flächendeckend verfügbar. Die Zulassung umfasst die Behandlung von Erwachsenen mit unzureichend kontrolliertem Typ-2-Diabetes mellitus.
Mounjaro
Mounjaro erhielt im September 2022 die EU-Zulassung für Typ-2-Diabetes. In Deutschland ist es seit 2023 auf dem Markt. Eine Zulassung von Tirzepatid als reines Adipositas-Medikament (unter dem Markennamen Zepbound) steht in der EU derzeit noch aus.
Für die zugelassene Adipositas-Behandlung stehen Wegovy und Saxenda zur Verfügung.
Ozempic, Mounjaro und Alternativen bei apotheke365.de
Welches Medikament passt zu Ihnen?
Ozempic könnte besser geeignet sein, wenn:
- Sie primär eine zuverlässige Blutzuckerkontrolle bei Typ-2-Diabetes benötigen
- Moderate Gewichtsabnahme ausreichend ist
- Sie längere Markterfahrung bevorzugen
- Kosten eine wesentliche Rolle spielen
Mounjaro könnte besser geeignet sein, wenn:
- Eine möglichst starke Gewichtsreduktion gewünscht ist
- Unter anderen GLP-1-Agonisten keine ausreichende Wirkung erzielt wurde
- Ihr Arzt den dualen Wirkmechanismus für sinnvoll hält
Wann sollten Sie einen Arzt aufsuchen?
- Starke, anhaltende Bauchschmerzen, die in den Rücken ausstrahlen (möglicher Hinweis auf Pankreatitis)
- Schwere gastrointestinale Beschwerden mit Anzeichen einer Dehydratation
- Symptome einer schweren Hypoglykämie (Verwirrtheit, Bewusstlosigkeit)
- Sehstörungen (Hinweis auf diabetische Retinopathie)
- Schwellung im Halsbereich (mögliche Schilddrüsenveränderung)
- Allergische Reaktion (Atemnot, Schwellung von Gesicht oder Rachen)
Häufige Fragen (FAQ)
Ist Mounjaro wirksamer als Ozempic?
In klinischen Studien erzielte Tirzepatid (Mounjaro) sowohl bei der Gewichtsreduktion als auch bei der HbA1c-Senkung stärkere Ergebnisse als Semaglutid (Ozempic). Die SURPASS-2-Studie zeigte eine statistisch signifikante Überlegenheit aller Tirzepatid-Dosierungen gegenüber Semaglutid 1 mg.
Kann ich von Ozempic auf Mounjaro wechseln?
Ein Wechsel ist grundsätzlich möglich, muss aber immer ärztlich begleitet werden. In der Regel beginnen Patienten beim Umstieg mit der niedrigsten Mounjaro-Dosis (2,5 mg) und steigern schrittweise.
Werden Ozempic oder Mounjaro von der Krankenkasse bezahlt?
Bei einer gesicherten Diagnose Typ-2-Diabetes werden die Kosten in der Regel von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Off-Label zur Gewichtsreduktion müssen Patienten die Kosten selbst tragen.
Wie lange muss ich Ozempic oder Mounjaro nehmen?
Beide Medikamente sind für eine Langzeittherapie konzipiert. Studien zeigen, dass nach dem Absetzen sowohl der Blutzucker als auch das Körpergewicht häufig wieder ansteigen.
Kann ich Ozempic oder Mounjaro zur reinen Gewichtsabnahme verwenden?
Beide Medikamente sind in der EU ausschließlich für Typ-2-Diabetes zugelassen. Eine Off-Label-Verordnung zur Gewichtsreduktion ist auf ärztliche Entscheidung möglich. Speziell zur Behandlung von Adipositas zugelassene Alternativen sind Wegovy und Saxenda.
Darf ich Alkohol trinken?
Mäßiger Alkoholkonsum ist nicht grundsätzlich kontraindiziert, kann aber das Risiko für Unterzuckerung erhöhen und gastrointestinale Nebenwirkungen verstärken.
Quellen
- European Medicines Agency (EMA). EPAR Ozempic. ema.europa.eu
- European Medicines Agency (EMA). EPAR Mounjaro. ema.europa.eu
- Jastreboff AM et al. Tirzepatide Once Weekly for the Treatment of Obesity. N Engl J Med. 2022;387(3):205–216. (SURMOUNT-1)
- Frías JP et al. Tirzepatide versus Semaglutide Once Weekly in Patients with Type 2 Diabetes. N Engl J Med. 2021;385(6):503–515. (SURPASS-2)
- Wilding JPH et al. Once-Weekly Semaglutide in Adults with Overweight or Obesity. N Engl J Med. 2021;384(11):989–1002. (STEP 1)
- Rodriguez PJ et al. Semaglutide vs Tirzepatide for Weight Loss. JAMA Intern Med. 2024;184(9):1056–1064.
Dieser Artikel dient ausschließlich der Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Alle genannten Medikamente sind verschreibungspflichtig.



